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5. Kasseler Fotofrühling 2009


DAS ZWEITE FOTOBUCH-FESTIVAL IN KASSEL

Für anspruchsvolle Fotografen, die im Kunstkontext arbeiten, ist es zu aufwändig, eigene Arbeiten kontinuierlich auszustellen, insbesondere weil u. a. die Herstellung großformatiger Abzüge sehr teuer ist. Das Fotobuch hingegen ist eine (relativ) günstige und gestalterisch vielfältige Alternative, um fotografische Serien zu veröffentlichen und hochwertig zu präsentieren. Immer mehr Fotografen nutzen das Fotobuch als künstlerisches Ausdrucksmittel – und auch Buchliebhaber und Verleger interessieren sich immer stärker für die Buchprojekte zeitgenössischer Fotografen. Anlass genug für uns, den Kasseler Fotofrühling bereits zum zweiten Mal dem Thema Fotobuch zu widmen.

Bei aller Aufmerksamkeit, die derzeit das Genre Fotobuch erhält, ist es immer noch ein schwieriges Unterfangen, ein Fotobuch zu realisieren. Wie gehen etablierte, aber auch junge Fotografen vor? Lassen sie sich von Aspekten wie Markttauglichkeit leiten oder verfolgen sie kompromisslos ein eigenes Projekt? Setzen sie auf eine unverwechselbare Bildsprache oder ist ihnen an einem speziellen Thema gelegen, das sich zu einem unikaten Werk ausbauen lässt? Sehen sie die Zukunft darin, Fotobücher in kleinen Auflagen selbst herzustellen oder ist die Verlagsproduktion der bessere Weg? Lässt sich eine Arbeit bei einem Verlag uneingeschränkt durchsetzen oder sind Zugeständnisse an Konzept und Gestaltung erforderlich?
Welche Antworten auf diese Fragen unsere Gäste gefunden haben, können Sie in unserem Festivalreport nachlesen. Download als PDF-Datei:

Fotobuch-Festival 2009

 


STIMMEN UNSERER GÄSTE

 

„Vielen Dank für die Gastlichkeit und die Einladung zum Festival. Meiner Ansicht nach war das Ganze ausgezeichnet. Die Zusammenstellung der Vortragenden, die Organisation, einfach alles.“
Gerry Badger, Publizist, Fotobuchhistoriker

„Jetzt schreibe ich vor allem, um danke für einige inhaltsreiche Tage in Kassel zu sagen.“  Krass Clement, Fotograf

„Jedem ernsthaft am Fotobuch Interessierten – sei es als Buchmacher, als Verleger, als Kritiker oder als passionierter Leser und Betrachter von Fotobüchern – bietet das Kasseler ‚Fotobook-Festival‘ die große Chance, Bücher zu entdecken, neue Dinge zu lernen und gleichzeitig viele andere begeisterte ‚Fotobuch-Leute‘ zu treffen. Für mich war es ein inspirierendes Erlebnis.“  Joakim Eskildsen, Fotograf

„Das von Dieter Neubert, Michael Wiedemann, Thomas Wiegand und anderen auf die Beine gestellte ‚Fotobook-Festival‘ in Kassel eröffnet die fantastische Möglichkeit, drei Tage lang das großartige Medium Fotobuch zu entdecken, zu erfahren, darüber zu sprechen und es zu feiern. Wegen der Leute, die ich getroffenen habe, und der wunderbaren Atmosphäre während der Vorträge, der Portfolio-Reviews und in den Ausstellungen kann ich 2010 kaum erwarten.“
Jeffrey Ladd, Publizist, Fotograf

„Der Aufenthalt in Kassel hat mir sehr gut gefallen (…). Im Nachhinein habe ich nur bereut, dass ich die Studenten aus meinem Seminar nicht mit nach Kassel genommen habe und sie die inspirierenden Arbeiten und die angenehme Atmosphäre der Kunsthochschule verpasst haben. Sowohl die Unterbringung als auch die Gastfreundschaft, die zahlreichen Beiträge der Gastredner und Studenten, besser hätte man es nicht machen können.“  Andreas Magdanz, Fotograf

„Ich habe mir in meinen kühnsten Träumen (und ich träume tatsächlich von Fotobüchern!) nicht vorstellen können, dass ich drei Tage lang damit verbringen werde, mit vielen Menschen ausschließlich über Fotobücher zu sprechen. Nonstop, bis wir uns alle auf Wiedersehen sagten.“  Dayanita Singh, Fotografin

„Wir waren sehr darüber erfreut, einen Vortrag auf dem Festival halten zu können, und genossen es, die vielen Gesichter, die hinter den Büchern stecken, kennenzulernen.“  Thijs Groot Wassink / Ruben Lundgren, WassinkLundgren, Fotografen

„Das war ein tolles Festival! Gratulationen. Ich bin nächstes Jahr gerne wieder dabei.“  Curt Holtz, Prestel Verlag

„Ich möchte nochmals betonen, wie erfreulich ich das Festival fand. Der Begriff familiär ist bewusst gewählt, wobei die Mischung im Kleinen wichtig ist, also, dass einige ‚prominente‘ Gäste anwesend sind (…) Darüber hinaus war es auch sehr schön, so tolle Kollegen wie Stuke/Sieber, Singh und WassinkLundgren zu sehen. Sehr gute Mischung. Werde bei Gelegenheit auch noch die Publikation über die nominierten Fotobücher erwerben – auch das sehr gut! See you next year.“  Jens Liebchen, Fotograf

„Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, und so hoffe ich, dass ich im nächsten Jahr wieder die Gelegenheit haben werde, zum Fotobuchfestival nach Kassel zu kommen.“
Bettina Lockemann, Fotografin, Kunsthistorikerin

„So verschieden die Vorträge waren, ich fand alle so interessant, dass mich das zeitweilige Überschreiten der geplanten Vortragszeiten nie gestört hat (…) Genug Zeit, in den ausgestellten Büchern zu blättern und für den Besuch der Bibliothek u. a. mit den Werken von Ruscha und Feldmann. Das meiste davon hatte ich noch nie im Original zu Gesicht bekommen. Alles in allem für mich eine rundherum gelungene Veranstaltung.“  Hermann Lohss, Fotobuchsammler

„Ich hoffe, Sie sind zufrieden mit dem Verlauf Ihrer Veranstaltung, ich als Teilnehmer bin es jedenfalls und hoffe, beim nächsten Mal wieder dabei sein zu können.“
Siegfried Sander, Multiplebox Galerie und Antiquariat, Hamburg

„Ich war sehr beeindruckt von den zahlreichen Vorträgen (…) den wirklich sehr kompetenten Referenten (…) In Zeiten, in denen sich die Auseinandersetzung immer mehr in virtuelle Welten verlagert hat, ist die persönliche Begegnung mit Fachleuten und am Thema Interessierten von großer Bedeutung.“  Marie-Luise Surek-Becker, Unterwegs Antiquariat und Galerie, Berlin

 

 


PRESSESTIMMEN

 

Book to the Future

Gerry Badger reports back from Kassel Fotobuch, a conference dedicated to photographs in book form, drawing together classics from the past together with new concepts in digital and self-publishing:

The second Kassel Fotobuch Conference took place on 15–17 May in the pleasant spa town, almost slap bang in the middle of Germany. The event is just finding its feet but, judging by the enthusiasm of the audiences, is fast becoming a fixture on the international photo scene. Although most of those attending were from Germany, speakers had come from Denmark, Finland, Holland, America, India, and Britain.
Directly translated, the theme of the conference was the ‘Uncompromising Photobook’, but is more usefully understood as the ‘Independent Photobook’ or perhaps the ‘Uncommercial Photobook’, because in these hard times there was a lot of talk about the economics of the business. The emphasis was thoroughly practical, so along with talking about the actual work, most presenters also covered how they raised fi nance and how their books were sequenced, designed, printed and distributed.
Jeff Ladd, owner of the photobook blog 5b4, talked about his new enterprise Errata Books, which publishes studies of wellknown but rare (and therefore expensive) photobooks, making the full content available as cheaply as possible. Even he conceded that the current climate made them more expensive than he would like. Cologne bookseller Markus Schaden continued the look at international photoevents, and had audience in stitches with his droll account of his business.

Online books
Outside the lecture theatre Schaden had a stall, and was doing brisk business, and various other dealers, of both rare and regular photobooks, were also there. Renowned figures from the photo world, such as Andreas Müller Pohle, editor of European Photography, conducted portfolio reviews and there was an exhibition of book dummies, entered for a competition in which the prize was a publishing contract. The entries were of a high standard, conceptually and also technically, thanks to online publishers such as Blurb.
The effect of the internet and digitisation were widely discussed. Katja Stuke and Oliver Sieber from Cologne talked about their Böhm/Kobayashi publishing project, demonstrating a variety of photobooks and issues of their magazine, Böhm. They deal mainly with aspects of youth culture, producing small, cheaply produced print runs. Not only does this make their publications viable, it gives them a cheap, throwaway style that appeals to their market.
At the other end of the scale, one of Germany’s most respected photographers, Andreas Magdanz, demonstrated how his classic book Dienststelle Marienthal, which now sells for hundreds in the conventional format, will soon be available as an iPhone application for only 4 Euro. Magdanz beamed as he showed off the software that allows viewers to virtually ‘turn’ the page – yet another bit of one-upmanship for smug iPhone users.
Fotobuch also hosted small exhibitions too, most notably images from the great Against the Wall, by the Finnish photographer Pekka Turunen. A retrospective display of Stephen Gill’s books was also a showstopper and, because he unfortunately could not attend, I gave two short introductions to his work. I also gave a paper, about aspects of narrative in the photobook.

Lecture season
All together, the many and various lecturers covered most aspects of the photobook and showed some very stimulating photography. I particularly enjoyed the talks by: Jessica Backhaus, from New York; the Dutch duo WassinkLundgren, based in London and Beijing respectively; the veteran Dane, Krass Clements; the young Dane, Joakim Eskilden, now based in Finland; and Dayanita Singh, from New Delhi, plus, of course, Andreas Magdanz. All of these photographers talked about the diffi culties, as well as the pleasures of making photobooks, but they all shared a fi erce determination to make their individual contribution to the oeuvre.
The Fotobuch organiser, Dieter Neubert, and his team are to be congratulated for their organisation and hospitality. As Singh put it in her Saturday afternoon talk, people had been so fi red up by Friday’s opening events that they had continued ‘talking and arguing about photobooks, drunk out of our minds, until two in the morning’. She was exaggerating the drunken aspect, but on the Saturday evening the discussions continued even later.

British Journal of Photography, 17.06.2009
Autor: Gerry Badger


Nein, das ist kein Katalog

Das Photobuch stand bereits zum zweiten Mal im Blickpunkt des Kasseler Fotofrühling, der vom 15. bis 17. Mai 2009 in die documenta-Stadt eingeladen hatte. Bereits im Untertitel verwiesen die Initiatoren auf den Anspruch, „das unabhängige Photobuch“ im Sinne einer autonomen Ausdrucksform, der innerhalb der internationalen Photoszene eine immer größere Bedeutung zugesprochen wird, verstärkt in den Blickpunkt zu rücken.
Das dreitägige Festival bot denn auch ein überaus facettenreiches Programm, das sehr unterschiedliche Annäherungen an das Photobuch ermöglichte. Unter den Ausstellungen, die eigens in der Kunsthochschule Kassel präsentiert wurden, zählt etwa das „Marks of Honour“ Projekt von Nina Poppe und Verena Loewenhaupt, das den immensen Einflusssphären des Photobuchs auf einzelne photographische Oeuvres nachging. Hierunter fanden sich u.a. Referenzobjekte von Peter Granser und Jens Liebchen (DGPh). Gleich vis-a-vis wurde eine reiche Auswahl eingereichter Photobuch-Dummys gezeigt, die es allesamt zu studieren und durchzublättern galt. Wie frei und unkonventionell eine Vorstellung von Photobuch allein im physischen Sinne sein kann, vermittelte hier ein Buchobjekt, das 23 Kilogramm wog!
Im Blickpunkt der elf Vorträge des Festivals stand die streitbare Frage, was ein kompromissloses Buch eigentlich auszeichnet. Zunächst berichteten Katja Stucke und Oliver Sieber über die flexiblen photokünstlerischen Strategien ihres Böhm-Projekts, Jessica Backhaus beschrieb das Büchermachen sogleich als Initiationserlebnis und Olaf Unverzart brachte seinen Grafiker Andreas Töpfer mit, um sein jüngstes Druckwerk „Leichtes Gepäck“ vorzustellen. Letzteres offenbarte sich als Leipziger Lehrstunde, bei der die Komplexität und Feinheit eines Photobuchs nur allzu offenkundig wurde. Als Leitmotiv gelte nämlich stets der Anspruch, der medialen Eigenheit des Photobuchs gerecht zu werden, so Unverzart. Mit Augenzwinkern merkte der Photograph an, dass dies nicht immer einfach zu vermitteln sei. Nein, dies sei eben kein Katalog, müsse er oftmals sagen.
Auch der Samstag war von eindrucksvollen Wortbeiträgen geprägt. Der Däne Joakim Eskildsen, dessen eindrucksvolles Photobuch „Roma-Reisen“ mit dem diesjährigen deutschen Photobuchpreis ausgezeichnet worden ist, berichtete von dem langen Weg, den ein Buchprojekt bis zur Realisierung hinlegen muss. Neben manchen Steidl-Anekdoten offenbarte sein Beitrag auch eine künstlerische Motivation. Er müsse nämlich immer ein Photobuch machen, sagte Eskildsen mit einem lausbübischen Lächeln auf den Lippen, um einer kommenden Depression zu entgehen. Dagegen berichtete Andreas Magdanz aus Aachen vom Mühen und Scheitern, die mit Photobüchern verbunden sind. Man durfte darüber spekulieren, ob dies an den deutschen Themen lag, zumal anschließend Dayanita Singh und Wassink Lundgren wieder sehr energetisch ihre Projekte vorstellten.
Einen intellektuell historischen Überbau, der das narrative Element des Photobuchs diskutierte, bot tags darauf der Brite Gerry Badger, der mit Martin Parr das zweibändige Standardwerk Photobook – A History realisiert hat. Antipodisch hierzu stellte im Anschluss Krass Clement aus Dänemark sein umfangreiches bibliografisches Lebenswerk vor, das durchweg von einer eindringlichen Melancholie geprägt ist. Ein völlig neues Photobuchkonzept präsentierte wiederum der New Yorker Verleger Jeffrey Ladd, der seine Books-on-Books-Reihe weder als Faksimile noch als Reprint-Ausgabe verstanden wissen wollte. Wichtig ist, so sein didaktisches Credo, dass man die Inkunabeln der Photographie überhaupt zu sehen bekommt! Den Abschluss markierte Markus Schaden, der mit viel Witz über die aktuellen Tendenzen und Merkwürdigkeiten des Buchmarktes aus der Händler- und Verlegerperspektive berichtete.
Wem dies alles nicht reichte, konnte im Foyer noch Antiquaria und Neuerscheinungen stöbern, seine Kostproben in einem Portfolio-Viewing zeigen oder auch Stände aufsuchen, die auf die Buchherstellung on demand spezialisiert waren. Die Atmosphäre war allenthalben entspannt und offen, der Medientheoriker Marshall MacLuhan hätte hier sicher seine Freude gehabt. Denn eins offenbarte sich auf dem dreitägigen Festival allemal: Photobuch ist Kommunikation!

dgph-online, Mitglieder-News, Juni 2009
Autor: Christoph Schaden


Fotofrühling Kassel:
Das Fotobuch im Mittelpunkt

Der Kasseler Fotofrühling widmete sich Mitte Mai zum zweiten Mal dem Thema Fotobuch und wird vorläufig bei dieser Ausrichtung bleiben. Großes Besucherinteresse, interessante Vorträge und Ausstellungen sowie eine gute Atmosphäre für vielfältige Begegnungen haben das Konzept rundum bestätigt. Zuvor waren 279 Fotografen dem Aufruf gefolgt, ein Fotobuch-Dummy einzureichen. Eine Jury wählte die besten für eine Ausstellung aus, weitere konnten als PDF am Rechner betrachtet werden. Die große Resonanz machte deutlich, wie sehr das Medium Buch für die Präsentation von Fotografie geschätzt wird. Manch ein Fotograf hofft sicher, dass ein Verlag sein Projekt realisiert, andere gehen längst individuelle Wege, produzieren beispielsweise mit digitalen Techniken Kleinauflagen und Editionen.
Weniger erfolgreich waren die Portfolio-Sichtungen in Kassel, obwohl mit Verlegern wie Klaus Kehrer (Kehrer Verlag), Hannes Wanderer (Peperoni Books), Curt Holtz (Prestel) und Markus Hartmann (Hatje Cantz) interessante Reviewer eingeladen waren. Aber 95 Euro für zwei Sitzungen ist viel Geld. Hier müsste für das nächste Jahr eine andere Form des Austausches gefunden werden.
Auf der Website des Kasseler Fotoforums sind sämtliche Referenten aufgeführt, eine Bildergalerie vermittelt einen Eindruck der Atmosphäre. Empfehlen möchte ich auch die Website des dänischen Fotografen Krass Clement, der in Kassel mit Unterstützung seiner Frau sehr charmant die eigenen Fotobuchproduktionen vorstellte.

Photonews, Ausgabe Juli/August 2009
Autor: Anna Gripp