Fotobuchklassiker in Studienausgaben
Das seit Jahren gewachsende Interesse an Fotobüchern hat Vor- und Nachteile. Zu letzteren gehört vor allem eine Verknappung des Angebotes an Klassikern des Genres, an denen das Interesse ungebrochen ist. Schön für den Handel, schlecht für alle, die sich diese Bücher einmal im Ganzen, am besten im Original, ansehen möchten. Abhilfe schaffen Neuausgaben – so wie die 2008 begonnene Reihe „Books on Books“ der New Yorker Errata Editons, hinter deren Konzept der über seinen Fotobuch-Blog (http://5b4.blogspot.com/) bekannt gewordene Fotograf Jeffrey Ladd steht. Inzwischen sind zweimal vier Bände erschienen.
Ladd hatte die Idee zu diesem Editionsprojekt aus seiner Lehrtätigkeit heraus entwickelt (wie er dies bei seinem Vortrag zum Kasseler Fotobuchfestival 2009 berichtete). Die Studenten sollten bestimmte Bücher unbedingt zu sehen bekommen, was, angesichts der nie vollständigen Bibliotheken bzw. der hohen Preise für die Originale praktisch nicht machbar ist. Reprints und Neuausgaben sind nicht immer verfügbar und wenn doch, nicht immer geeignet, dem Original nahe zu kommen. Ladd wollte erst gar nicht in die Faksimile-Falle gehen, was aufwändige Reproduktions- und komplizierte Drucktechnik bedeutet hätte. Dafür sollte nach einem einheitlichen, inhaltlich und gestalterisch hohen Standard gearbeitet werden. Die neue Buchreihe sollte außerdem preiswert sein sowie in möglichst großen Auflagen erscheinen, dazu in guter Ausstattung, mit Fadenheftung und stabilem Leineneinband. Zusätzlich erscheint eine limitierte Sammlerausgabe mit zusätzlichem Schutzumschlag.

Die Errata-Bücher sind also weder Reprints noch Neuauflagen, sondern Studienausgaben. Das Format der in schwarzes Leinen gebundenen Bände ist ungeachtet der Formate der Vorlagen auf etwa 24 x 18 cm vereinheitlicht. Die jeweiligen Bücher werden, soweit es den Bildteil betrifft, komplett mit allen Seiten abgebildet. Die Reproduktionen der offenen Bücher bleiben immer als Repros erkennbar. Eventuell in den Vorlagen enthaltene Texte werden nur auschnittsweise reproduziert, um auch deren Layout zu zeigen. Zum Lesen wären diese Abbildungen zu klein. Daher werden die Texte erforderlichenfalls ins Englische übersetzt und in voller Länge im Satzspiegel der „Books on Books“-Reihe abgedruckt. Dieses Verfahren wird sich künftig für den Leser vor allem dann lohnen, wenn Fotobücher aus Ländern vorgestellt werden, deren Sprachen weniger geläufig sind. Weitere Bestandteile jedes Bandes sind ein aus kompetenter Feder stammendes Essay, das die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des zu würdigenden Buches behandelt, bibliographische und editionsgeschichtliche Informationen, ein Verzeichnis ausgewählter anderer Werke des jeweiligen Fotografen sowie zu diesem die wichtigsten biographischen Daten samt Portraitfoto.
So ausgestattet ist es problemlos möglich, den vorgestellten Meilenstein der Fotobuchgeschichte genau kennen und einordnen zu lernen, was sogar dann den Kauf lohnt, wenn man schon stolzer Besitzer eines der Originale ist. Die ersten acht Bände machen neugierig auf mehr „Bücher über Bücher“!
Thomas Wiegand
Books on Books, herausgegeben von Jeffrey Ladd, Valerie Sonnenthal und Ed Grazda, Errata Editions New York 2008 (Bände 1-4) bzw. 2010 (Bände 5-8), unterschiedliche Seitenzahlen, jeweils Leinen (Bände 1-4 mit Bauchbinde), Preis je 39,95 $, Angabe der ISBN für die Standardausgaben
Vol.1: Eugène Atget – Photographe de Paris (1930), ISBN 978-1-935004-00-4
Vol.2: Walker Evans – American Photographs (1938), ISBN 978-1-935004-02-8
Vol.3: Sophie Riestelhueber – Fait (1992), ISBN 978-1-935004-04-2
Vol.4: Chris Killip – In Flagrante (1988), ISBN 978-1-935004-06-6
Vol.5: William Klein – Life is Good & Good for You in New York (1956), ISBN 978-1-935004-08-0
Vol.6: Yutaka Takanashi – Toshi-e (Towards the City, 1974), ISBN 978-1-935004-10-3
Vol.7: David Goldblatt – In Boksburg (1980), ISBN 978-1-935004-12-7
Vol.8: Koen Wessing – Chili September 1973 (1973), ISBN 978-1-935004-14-1