Kategorie: 2006 / 2. Kasseler Fotofrühling

Interview mit Will McBride

Will McBride mit einem seiner Gemälde. Foto: Gebhardt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Ich will die alten Sachen vergessen“

Der seit den 50er Jahren in Deutschland lebende amerikanische Fotograf Will McBride (Jg. 1931) zählt zu den größten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Vor allem mit seinen emotionalen und vitalen Porträts und Reportagen für die Zeitschrift „Twen“ hat er das visuelle Gedächtnis der 60er Jahre geprägt. 2004 erhielt er für sein Lebenswerk den bedeutendsten deutschen Fotopreis, den Erich-Salomon Preis für Fotografie. Aber McBride sprengt die Gattungsgrenzen, er fotografiert, malt, zeichnet, arbeitet in Gips und Bronze. Auf Einladung des Kasseler Fotoforums war er Gast des 2. Kasseler Fotofrühlings in der Kunsthochschule, wo er seine aktuellen Arbeiten vorstellte. McBride lebt und arbeitet in Berlin.

In Kassel zeigten Sie überwiegend Gemälde. Das dürfte die Fotofreunde enttäuscht haben, die hofften, Ihre Arbeiten aus den 60er Jahren im Original zu sehen.
Ich kann doch nicht immer wieder die Fotos aus den 60ern zeigen. Ich habe mich verändert, die Welt hat sich verändert, die Fotografie hat sich verändert. Man legt mich auf die Fotografie fest und weigert sich, meine Malerei anzuerkennen.

Wie ist das Verhältnis von Fotografie und Malerei in Ihrer Kunst?
Ich habe Kunst studiert und als Maler begonnen. Ausgehend von meinem Lehrer Norman Rockwell habe ich zunächst viel nach Fotos gemalt. Allerdings kamen meine Fotos in den 60er Jahren sofort an. Damit konnte ich auf Anhieb Geld verdienen, mit der Malerei nicht.

Jetzt steht die Malerei im Vordergrund?
Ja. Leider gelang mir noch nicht, aus dem berühmten Fotografen McBride den berühmten Maler McBride zu machen. Wenn ich allerdings meine Malerei zeige, reagieren die Leute sehr positiv.

Diskussionen forderten Sie in den 70ern mit den beiden Aufklärungsbüchern „Zeig mal!“ und „Zeig Mal Mehr!“ heraus, wo sie sich intensiv mit der kindlichen Sexualität auseinandersetzen.
Ja, damals gab es kaum Informationen zu dem Thema. Es war ein Tabubruch. Ich habe bisher 23 Fotobücher gemacht. Dass ich meist auf diese zwei und auf meine Zeit bei „Twen“ festgelegt werde, stört mich. Ich will das vergessen. Es hat mit dem, was jetzt mache nichts mehr zu tun.

Motto des Kasseler Fotofrühlings war „Fotografie und Karriere“. Kann man einem jungen Menschen heute noch zur, Berufsfotografie raten?
Wer als junger Mensch von der Fotografie leben und damit Karriere machen wollte, sollte vorsichtig sein. Der Konkurrenzdruck ist insbesondere bei der Pressefotografie enorm. Vor 40 Jahren war die Situation anders. Man konnte Stil bildend wirken. In den Magazinredaktionen herrschte ein Gespür für gute Bilder, und man hatte Mut, Ungewöhnliches zu veröffentlichen. Das ist heute vorbei. Es geht der Presse nur noch um Profit.

(Interviewer: Dr. Andreas Gebhardt)