Kategorie: Galerie

Karl-Ludwig Lange

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Der 1949 in Minden geborene Fotograf Karl-Ludwig Lange begann Anfang der siebziger Jahre in West-Berlin zu fotografieren. Er arbeitet in Serien, oft über Jahre. Bevorzugte Motive sind Kulturlandschaften, städtische Topographie und Architektur, unverkennbar Menschenwerk. Langes Arbeiten verweigern sich modischem Styling und einer gestalterischen Attitüde. Sie sind kleinformatig, scharf, detailreich, schwarzweiß mit einem opulenten Spektrum an Tonwerten, eben typisch fotografisch in einem traditionellen, aber noch lange nicht überholten Sinn. Weil sich der Fotograf sehr intensiv mit seinen Motiven auseinandersetzt, können seine Serien nicht in Wochen oder Monaten fertig sein, sondern erst nach Jahren oder Jahrzehnten intensiven Forschens, Schauens, Fotografierens und Auswählens. Man kann versuchen, Langes scheinbar sachlichen und objektiven Darstellungen als Illustrationen zu architektonischen und topographischen Themen zu vereinnahmen. Doch bieten seine Arbeiten immer viel mehr, nämlich den sichtbaren Ausdruck seines Konzeptes fotografischer Durchdringung von Urbanität. Nur oberflächlich geht es um Berlin; im Zentrum steht für den Fotografen die Frage, was eine Stadt ausmacht, wie sie lebt, wie sie stirbt, wie sie an anderer Stelle weiterlebt. Lange läßt keinen Zweifel daran, daß seine Erkundungen subjektiv motiviert und weder auf Objektivität noch auf Vollständigkeit angelegt sind. Er meidet starre typologische Reihen und braucht nicht deren Beschränkungen hinsichtlich Standpunkt, Beleuchtung und Gleichartigkeit der Motive. Der Fotograf sieht in der Berliner Stadtlandschaft auch keine düsteren oder betongrauen Spiegelbilder innerer Konflikte zwischen Depression und Wut. Lange visualisiert seine Themen mit lakonischer, wohlkalkulierter Distanz. Für ihn ist eine fotografische Präzision ungem ein wichtig, die seine Arbeit mit der der großen Architekturfotografen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbindet. Und für dieses Konzept ist der Begriff Stadtfotografie genau passend. Unsere kleine Präsentation bringt einige Beispiele aus den siebziger und achtziger Jahren.

 

Thomas Wiegand

 

Die Homepage von Karl-Ludwig Lange finden Sie hier.