Kategorie: Galerie

Laurenz Berges

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Klaustrophobie m uss unangenehm sein. Auch wenn m an nicht darunter leidet, verm itteln die Fotoarbeiten von Laurenz Berges etwas davon. Der in Essen und an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Fotokünstler (Jg. 1966) beschätigte sich über Jahre mit leer gezogenen Bauten, erst m it Kasernen, die die abrückenden sowjetischen Soldaten in O stdeutschland hinterließen, dann mit Dörfern, die für den rheinischen Braunkohlentagebau geräumt werden m ussten. Die Spuren der früheren Bewohner sind allenthalben in den Arbeiten von Berges sichtbar. Die Ausschnitte der Innenaufnahm en sind eng und begrenzt. Der Blick wird auf Schmutzränder, funktionslose Steckdosen, verlassenes, zerschlissenes Mobiliar und düstere Zim m erecken konzentriert. Selten weitet sich die Perspektive zu einem Blick aus einem Fenster oder gar eine Außenaufnahme, aber auch draußen herrscht Trostlosigkeit. Wie konnte m an es an diesen von Berges bloß gestellten O rten aushalten, ohne zum Psychopathen zu werden? Während das warm e Licht, das bei wenigen Kaserneninterieurs spürbar ist, die O ption auf eine ehem als anheimelnde Atmosphäre offen läßt, kann davon bei den Dörfern im Braunkohlenrevier nicht mehr die Rede sein. Berges’ minimalistische und lakonische Stillleben öffnen Räume menschlicher Existenz, die sich weit über das rein Sichtbare hinaus erstrecken.

 

Thomas Wiegand

 

alle Bilder courtesy:

 

Galerie Wilm a Tolksdorf Berlin/Frankfurt
Galerie Schm ela Duesseldorf